Gedanken Persönlichkeitsentwicklung

Cry like a baby, or walk like a warrior

Cry like a baby

In den letzten Wochen und Monaten habe ich mich immer weiter gehen lassen. Die Wohnung wurde nur dann aufgeräumt und gesäubert, wenn es wirklich unbedingt notwendig wurde, oder wenn Besuch anstand. Mein Gewicht hat sich (trotzt Plan dieses Jahr Final abzunehmen) weiter erhöht. Ich habe ein neues Allzeithoch mit über 95KG. Was bedeutet ich habe in den letzten 2 Monaten über 10 KG zugenommen. Sport habe ich (diese Woche ausgenommen) maximal einmal pro Woche gemacht, wenn überhaupt. Es gab Phasen wo ich mich „Grundlos“ Scheiße gefühlt habe. Das Gefühl das mein Leben immer weiter zerbricht, war einfach Omnipräsent.

Das Ganze wurde nicht besser dadurch, dass meine Freundin zurück nach China musste und dort wohl auch für einige Zeit (vermutlich rund 5 Jahre) bleiben muss. Keine Ahnung wie sich die Zeit entwickeln wird, ob Sie jemals zurückkommt oder dergleichen. Alles zusammen hat mich zunehmend mehr über mein Leben jammen lassen.

„Cry like a baby“ passt zwar nicht ganz, da ich immer noch Probleme habe meine Emotionen so weit freien lauf zu lassen, dass auch mal Tränen kommen könnten. Aber alles in allem ist klar was ich meine. Ich war an dem Punkt angekommen, wo ich mich gefragt habe „warum/wieso überhaupt, bringt doch eh nichts“. Dinge die ich tun wollte habe ich aufgeschoben. Soziale Treffen gemieden und Dinge, die mir guttun würden, immer wieder mit „guten Gründen…“ verschoben.

Und um das ganze abzuschließen habe ich mir immer mehr Gedanken gemacht, warum es mir schlecht geht. Warum mein Leben gerade nicht so ist wie ich es will etc.

Das Gemeine am menschlichen Geist. Wenn man ihm Frage stellt, gibt er antworten. Manchmal sehr klar, manchmal auch nur sehr unterbewusst, aber es gibt Antworten. Das Problem dabei. Er antwortet exakt auf die Frage, die man stellt und nicht auf die Fragen, die hilfreich wären.

In meinem Fall waren viele der Antworten auf die obigen Fragen etwas wie „.. weil du es nicht besser verdienst..“, „… weil du nicht mehr schaffst..“ etc. Wie du siehst, nicht unbedingt die besten Antworten.

Walk like a warrior

Klar ist/war irgendwo in meinem Kopf die Information vorhanden, dass ich bessere Fragen stellen müsste, um meinen Weg da raus zu finden. Aber manchmal vergisst man was wichtig und hilfreich ist. In diesem Fall hatte ich Glück. Mein Psychiater machte mich auf die kleinen „Siege“ in meinem Alltag aufmerksam. Ein paar meiner Freunde machten mich aufmerksam darauf, dass ich meine Gedanken „falsch/ungünstig“ ausrichte und gaben mir Tipps, wie ich es besser machen könnte.

Vor ein paar Tagen war es dann endlich so weit. Endlich machte der Schalter in meinem Kopf „klick“ und mir wurde wieder bewusst, wie ich mein Leben steuern kann. Dass ich der einzige bin, der mein Leben aktiv steuern kann. Wenn ich weiter rumjammere und mich auf das negative konzentriere würde ich jedoch stehen bleiben. Ein für mich wichtiger Punkt war es, den Hass, den ich aktuell auf mich selbst empfinde, nicht gegen mich zu richten, sondern für mich zu nutzen. Diese Energie nutzen und mich dazu zu zwingen es besser zu machen. Selbst wenn es unangenehm ist, aber damit war es ja eine gute „Strafe“ für meinen Hass.

Neben einem Verbot für Süßkram/Soft- und Energydrinks/Alkohol muss ich jetzt jede Woche mindestens 1x ins Gym gehen. „Nur“ für 15 Minuten, aber wenn ich eh schon da bin mache ich eigentlich immer mehr. Ich bin eigentlich gerne im Gym, brauche aber diese Überwindung. Diese „Strafe“, dass ich gehen muss. Dass ich nicht mehr vor Netflix und Co. meine Zeit totschlagen darf hilft. Auch „muss“ ich jeden Tag etwas Produktives machen. Zum Beispiel mehr als 20 Seiten lesen, ein Foto machen und bearbeiten, ein Video erstellen etc.

Zudem nutze ich mein Einschlafen, um meine Gedanken auszurichten. Ich gehe aktuell jeden Abend mit dem Mantra „Ich verdiene es ein aktives und glückliches Leben zu führen“ schlafen. Aktiv bedeutet dabei für mich, dass ich Dinge unternehme, auf meinen Körper achte in Bezug auf Ernährung und Sport und solche Dinge. Dabei stelle ich mir auch verschiedene Momente aus meinem „zukünftigen“ Leben vor, als wären diese schon eingetreten. Als Motivationen, um zu sehen, warum ich die verschiedenen Dinge mache.

Zu guter Letzt habe ich meinen Ring auf die andere Hand umgesteckt. An einem Finger wo ich den Ring „unangenehm“ bemerke. Immer wieder im Alltag. Doch jedes Mal wenn ich auf den Ring aufmerksam werde mache ich mir klar, ICH bin verantwortlich dafür, wie mein Leben gerade ist. Und ich bin auch dafür verantwortlich, wie mein Leben morgen, in einer Woche, oder in einem Jahr sein wird. Ich kann weiter Jammern, oder ich kann mich endlich aufmachen und meinen Weg gehen, egal wie viele Rückschläge und Kämpfe auf mich warten werden.

Gedanken dazu

Natürlich ist mir klar, dass das ganze einfacher gesagt als getan ist. Ich selbst habe lange genug gebraucht um mich weit genug zu überwinden um endlich in „aktion“ zu kommen. Dabei geht es mir nicht so schlecht wie vielen anderen mit ihren Depressionen. Mein Weg, meine Gedanken werden nicht allen helfen. Doch vielleicht hilft es dir, deinen Weg zu finden?

Ich für meinen Teil möchte weiter mein Leben verbessern, bis an einem Punkt wo ich glücklich mit mir selbst bin. Bis es jedoch so weit ist, möchte ich die Wut und den Hass, den ich mir selbst gegenüber empfinde nutzen um mich, genau wie Baron Münchausen es tat, mich an meinen eigenen Haaren aus dem Dreck zu ziehen.

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