Bondage

Bondage für Anfänger – Vor dem ersten Knoten9 min read

Lesedauer 6 Minuten

Ich bin vor kurzen bei Fetlife auf ein sehr gutes How-To „Fesseln für Anfänger“ gestoßen. Genauer war es dieser Beitrag von RileyEffective. Dieser ist, wie auf Fetlife üblich, auf Englisch verfasst. Was mich dazu angespornt hat, diese gut zusammengefassten Informationen ins Deutsche zu übertragen. Nach einer Rückfrage bei RileyEffective darf ich dies hier auf meinen Blog posten und freue mich euch damit ein paar gute erste Schritte an die Hand liefern zu können. Da RileyEffective aber noch zwei weitere gute Beiträge hatte, habe ich diese auch mit in diesen Blogbeitrag eingebaut und ein wenig angepasst. Für das Original unbedingt bei RileyEffective schauen.

Du hast ein Seil, reicht das für eine Session?

Prinzipiell reicht ein Seil natürlich, um jemanden zu fesseln, dennoch sollen ein paar Basics hier aufgeführt werden, die leider nicht so selbstverständlich sind, wie sie sein sollten. Zudem ist Seil nicht gleich Seil. Prüft daher bitte vor der Fesselung, ob euer Material noch in Ordnung ist. Gerade wenn ihr eine Suspension (eine hängende Fesselung) machen solltet, muss alles passen. Allerdings empfehle ich Anfänger erstmal „nur“ im Stehen und Liegen zu arbeiten, da eine Suspension noch einmal ganz neue Gefahrenquellen eröffnen. Die Anleitung hier bezieht sich also auf Vorbereitung für stehende/liegende Fesselungen. Abgesehen davon muss es aber nichts Krasses oder kompliziertes sein. Der Spaß sollte im Vordergrund stehen.

Solltet ihr euch am Anfang unsicher sein oder gar nicht wissen, was man mit einem Seil überhaupt macht, wäre vielleicht auch ein Workshop sinnvoll. In Berlin kann in den Absolut beginners Workshop beim IKSK empfehlen. Hier habt ihr ein Augenpaar, das auf euch aufpasst und bekommt auch gleich noch die ersten Grundlagen der Knoten zu einem, wie ich finde, fairen Preis gezeigt. Online empfehle ich immer gerne RorysBrainworks

Die Zutaten

Das Bunny

Die zu fesselnde Person wird oftmals als „Bunny“ bezeichnet. Unabhängig der Geschlechtsidentität, weshalb ich diesen Begriff hier auch nutzten werde. Euer Bunny sollte bequeme, nicht zu weite Kleidung tragen, insofern mit Kleidung gefesselt wird. Sollte nur in Unterwäsche oder nackt gefesselt werden, ist dies hinfällig. Schmuck jeglicher Art, gerade Ketten und Armbänder sollten, wenn möglich entfernt werden.

Idealerweise geht das Bunny auch noch einmal kurz zur Toilette. Es ist ärgerlich für beide Seiten mitten drinnen zu unterbrechen, weil das Bunny, mal eben, zur Toilette muss und die Fesselung dafür gelöst werden muss.

Konsens

Konsens sollte bei jedweden BDSM und/oder sexuellen Handlungen Pflicht sein. Beim Fesseln schon alleine aus dem Grund, weil du die Handlungsfreiheit der anderen Person einschränkst. Aber es geht um mehr als nur „darf ich dich fesseln“. Es geht auch um WO darf ich dich fesseln. Ist es ok, wenn Seile zwischen den Seilen durchgeführt werden. Ist es okay, wenn ich den Brustbereich fessle und diesen dabei ggf. berühre (an der Stelle als „berühren, weil es beim Seil entlangführen passiert“ gemeint). Redet darüber lieber etwas länger, als etwas Wichtiges zu vergessen.

Wichtig, selbst wenn dein Bunny hier zu etwas ja sagt und während der Fesselung die Meinung ändert und Stop/Nein/… sagt, ist das ein unbedingter Punkt mindestens zu unterbrechen. Frag nach, was gerade nicht gepasst hat und ob du das ändern darfst, oder ob ihr hier aufhören sollt. Konsens ist IMMER und JEDERZEIT einzuhalten. Nur so bleibt der Spaß für alle Seiten erhalten.

Ein sicherer Raum

Seid ihr in einem Raum, wo ihr in Ruhe fesseln könnt. Werdet ihr hier durch äußere Einflüsse gestört? (Moskitos/Zuschauer/Familie die den Raum betritt/…) Ist es warm genug, gerade für die Person die gefesselt wird? Ist der Raum sicher im Sinne von, kann etwas umfallen während wir fesseln? Zudem solltet ihr wissen, wo der Erste-Hilfe-Kasten ist, wo ihr euch gerade aufhaltet, falls ihr einem Notarzt die Adresse geben müsst, weil etwas schiefgelaufen ist.

Etwas zum Seil zerschneiden

Es sollte immer eine Schere in eurer Nähe sein. Wenn etwas schiefläuft habt ihr nicht mehr die Zeit, um das Seil in Ruhe zu lösen, dann muss es SOFORT runter. Ein Seil lässt sich ersetzen, ein Arm der Bewegungsunfähig ist nicht. Zudem sollte die Schere nicht „gut verstaut“, sondern in Reichweite sein. Es muss nicht zwingend eine Schere sein, jedes Material um SICHER ein Seil zu zerschneiden, ohne das Bunny zu verletzen. Im besten Fall probiert ihr das Zerschneiden mit eurem gewählten Tool schon einmal in einer ruhigen Minute aus, damit es im Notfall keine Probleme damit gibt.

Die Anatomie des menschlichen Körpers

Eignet euch Grundkenntnisse der menschlichen Anatomie an. Meine Empfehlung dafür ist diese Webseite unter dem Punkt Major Areas to Watch. Ihr müsst kein Profi sein, solltet aber grundlegend wissen, wo Nerven und dergleichen verlaufen, um darauf achten zu können. Auch ist es gut, wenn ihr wisst, woran ihr merkt, wenn etwas schiefläuft. (Kalte/Taube Hände, Kribbeln in Körperpartien und dergleichen) Wenn man frühzeitig reagiert, können langfristige Schäden einfach verhindert werden.

Wasser und Decke für Aftercare

Nach dem Fesseln, beziehungsweise generell bei BDSM Spielchen, ist es gut danach etwas zu trinken. Im besten Fall steht das Wasser schon trinkbereit zur Verfügung. Damit nach dem Spiel die Aftercare direkt ohne Unterbrechung beginnen kann. Auch kann es deinem Bunny kalt geworden sein, in dem Fall ist es toll, wenn du eine Decke zur Verfügung hast, um dein Bunny wieder aufzuwärmen.

Spaß

Zwar der letzte Punkt der „Zutaten Liste“, aber deswegen nicht weniger wichtig. Es sollte allen Spaß machen. Genießt die Session und stresst euch nicht, wenn ein Knoten nicht genau so aussieht, wie ihr es euch vorgestellt habt. Im Gegenteil, ihr könnt euer Bunny sogar nur eng „einwickeln“ und trotzdem eine gute Session haben. Ganz ohne einen einzigen knoten. (Wer trotzdem ein paar Pattern lernen will, dem kann ich RorysBrainworks wärmstens empfehlen). Merke, solange alle Spaß an der Session hatten und es keine schäden gibt, war es eine gute Session.

Während der Fesselung

Jetzt wirds ernst

Denk dran, ihr fesselt hier mit einer lebenden Person. Seid daher mit eurem Fokus mehr bei der Person als bei den eigentlichen Knoten. Egal was du machst, es sollte im Wohlkühlbereich deines Bunnys liegen. Daher empfiehlt es sich auch, dass du bei einer Session „unter deinem Niveau“ fesselst. Das heißt, lieber fesselst du ein paar einfachere Knoten, die du blind fesseln kannst, als ein Pattern, bei dem du nach jedem Knoten nachschlagen musst wie es weiter geht. Das würde den Fluss und damit die Session nur zerstören.

Auch seid ihr während der Fesselung komplett für das Bunny zuständig. Sobald ihr zum Beispiel Arme oder Beine fesselt, kann sich das Bunny beim Umfallen nicht mehr selbständig auffangen. Seid also immer aufmerksam und habt eine Hand an eurem Bunny, um es zu stabilisieren. Sollte es anfangen zu fallen, müsst ihr es SOFORT stützen können.

Auf die Dauer kommt es nicht an

Genauso wie ihr am Anfang nicht direkt das krasse Pattern fesseln müsst, müsst ihr auch keine langen Sessions plane. Gerade am Anfang sind Sessions bis zu 15 Minuten vollkommen ausreichend. So kommt ihr nicht in die Gefahr, dass ihr euch stresst, weil ihr nicht wisst, was ihr noch fesseln könntet. Andererseits könnt ihr auch so schneller Feedback vom Bunny bekommen, was gut war und was nicht. Nichts spricht dagegen, nach einer kleinen Pause eine zweite Runde einzulegen, wenn denn beide Seiten noch einmal wollen.

Das Bunny

Während der Fesselung hat das Bunny die „einfachere“ Position. Keine Knoten zu merken, keine Seile verlegen, sich „nur“ hingeben und fallen lassen.

Na ja, ganz so einfach ist es dann auch nicht. Natürlich muss das Bunny wirklich weniger machen, was die Fesselung für das Bunny aber nicht weniger anstrengend macht. Wichtig ist jedoch, dass sich das Bunny SOFORT meldet, wenn etwas nicht passt. Kalte Hände, kribbelnde Körperteile sind ein Anzeichen dafür, dass gerade etwas schiefläuft. Schmerzen, egal wo, sollten verständlicherweise überhaupt nicht auftreten. Kurz, sobald sich etwas „anders“ anfühlt, der fesselnden Person Bescheid geben. Mit der Zeit wisst ihr, was normal ist und was nicht. Aber lieber einmal zu oft melden als einmal zu spät.

Sollte sich das Bunny nicht rechtzeitig melden, können die Schäden von Stunden bis zu Jahren anhalten. Je früher eingegriffen wird, desto kürzer werden die Folgen sein.

Nach der Fesselung

Die Fesselung ist vorbei, ihr habt euer Bunny befreit und die Seile liegen noch verstreut am Boden, genauso wie sie vor Sekunden nach dem Entfesseln fallen gelassen wurden. Jetzt beginnt die „After Care“.

After Care

Sprich mit deinem Bunny, wie geht es dem Bunny, wie fühlt es sich. Vielleicht ist dein Bunny in einen Subspace gefallen, das kann die unterschiedlichsten Gefühle auslösen. Nimm das Bunny gerne in den Arm, sofern es damit okay ist. Wickle das Bunny gegebenenfalls in eine Decke, falls dem Bunny kalt geworden sein sollte und gib ihm etwas zu trinken. Ihr werdet merken, ob hier mehr Fürsorge erforderlich oder nicht, seit aber immer aufmerksam dafür.

Reflektieren

Wenn es dem Bunny gut geht, könnt ihr nach einer Weile reflektieren, wie es war. Was war gut, was war weniger gut? Was würde das Bunny gerne wiederholen und was nicht? Das ganz muss nicht zwingend direkt danach sein. Gerne auch erst ein paar Tage später, je nachdem wie emotional aufwühlend die Session für dein Bunny war.

Nachsorge

Checkt auch nochmal am nächsten Tag ein, ob alles in Ordnung ist. Gerade wenn es eine längere Session war und/oder ihr enge Fesselungen hattet, ob sich weiterhin alles gut anfühlt oder ob etwas aufgefallen ist wie „taube Finger“, Schmerzen im Arm und dergleichen. Bei Problemen auf alle Fälle sehr zeitnah einen Arzt aufsuchen.

Warnzeichen beim Fesseln

Hier eine kleine (unvollständige) Liste welche Symptome bei einer Fesselung aufkommen können, die auf ein Problem hindeuten können.

  • Kribbeln im Körper als ob die Körperstelle einschläft –> Hier kann es je nach Stelle helfen die Seile zu verschieben, folgenden der Anatomie des Körpers
  • Kalte Hände –> Hier ist etwas eingeklemmt, Fesseln lösen
  • Daumentest (siehe unten) zeigt Probleme –> SOFORT Fesseln lösen, da sonst dauerhafte Nervenschäden entstehen können
  • Schmerzen –> Sofort ändern was die Schmerzen verursacht
  • STOP/Safeword des Bunnys wird benutzt

Daumentest

Prüft in regelmäßigen Abständen, ob euer Bunny eure Hand richtig drücken kann. Dazu legt ihr eure Hand in die Hand eures Bunnys und lasst es zudrücken. Einmal mit der ganzen Hand und einmal separat nur den Daumen. Sollte ein Nerv am Arm eingeklemmt sein sind die Chancen hoch (NICHT 100%), dass euer Bunny dann nicht mehr richtig zudrücken kann. Ihr werdet einen deutlichen Unterschied beim Maximaldruck feststellen. Sorgt also dafür, dass euer Bunny sowohl beim ersten Mal als auch bei den „Folgetest“ immer wirklich fest genug zudrückt, um als Signal sinnvoll zu sein.

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